KV FROHSINN EDENKOBEN 1875 e.V.
 KV FROHSINN EDENKOBEN 1875 e.V.

Historie

125 Jahre Karnevalverein "Frohsinn" 1875 e.V. Edenkoben

 

Als unser Karnevalverein im Jahre 1996 sein 11 x 11. Vereinsjubiläum (121 Jahre) begehen konnte,hatte unser Ehrenpräsident, Dr. Ludwig Urschbach, die Vereinsgeschichte in einem Aufsatz zusammengefasst. Niemand hat sich in den letzten 50 Jahren so intensiv mit der Vereinsgeschichte auseinandergesetzt und darüber nachgeforscht wie Er. Er brachte vieles zum Vorschein, was schon vergessen schien oder der Vergessenheit preisgegeben war. Wir konnten im Jahre 1996 nur im internen Kreis diese Aufzeichnungen über die Vereinsgeschichte publizieren, weil wir seinerzeit keine Programmhefte veröffentlichten. Wir steckten damals mitten in der sitzungslosen Zeit, da wir über keinen geeigneten Saal für unsere Veranstaltungen verfügten. Den "Kurpfalzsaal" konnten wir wegen seiner Baumängel nicht nutzen, dessen Erweiterung und Umbau noch nicht begonnen waren. Zum Glück stand uns für einen Jubiläumsempfang in bescheidenem Rahmen der Gewölbekeller im neuen Heimat- und Weinbau-Museum von Edenkoben zur Verfügung. Im Museumsspeicher konnten wir eine informative Ausstellung mit Bildern und anderen Utensilien aus der Vereinsgeschichte veranstalten. Der Heimatbund Edenkoben unterstütze uns hierbei in vorbildlicher Weise, wofür wir herzlich dankbar waren.Nach diesen Vorbemerkungen gehen wir über zum geschichtlichen Vereinsrückblick unseres Ehrenpräsidenten, Dr. Ludwig Urschbach , aus dem Jubiläumsjahr 1996.

 

11 x 11 Jahre Karnevalverein Frohsinn 1875 (1862) e.V.:

Es sind schon wieder 10 Jahre her, seit der KV Frohsinn als 4.-ältester Karnevalverein der Pfalz mit Stolz, Elan und großem Fasnachtsumzug sein 111. Vereinsjubiläum feiern konnte. Aber kaum waren die Jubiläumsfestivitäten verrauscht, da wurde in alten Archivakten- und Urkunden festgestellt, dass der Verein mindestens 14 Jahre älter ist. Das närrische Komitee des Frohsinns wollte aber doch nicht allzu närrisch wirken und gleich darauf erneut ein Vereinsjubiläum feiern (was ja auch immer eine Geldfrage ist).

Erste Erwähnung des Vereins 1862. Da heißt es in dem bis jetzt ältesten uns bekannten Schriftstück: Die in Edenkoben bestehende Gesellschaft der „Frohsinnigen“ hat in ihrer Generalversammlung vom 13. Oktober 1862 bestimmt, dass mit Bewilligung höherer Genehmigung am 23. November d.J. wie jedes Jahr ein Herbstball stattfinden soll, und es erlaubt sich hiermit, der unterzeichnete Vorstand dieser Gesellschaft, Königliches Bezirksamt (Landau) untertänigst zu bitten, diese Genehmigung gütigst erteilen zu wollen.

Mit aller Hochachtung ergebenst der Vorstand der Gesellschaft der Frohsinnigen

 

P. Aug. Kerth, Secretair

 

Wenn es im Text heißt: "In der Generalversammlung wie jedes Jahr ein Herbstball", so muss der Verein noch älter sein als bis dahin urkundlich nachweisbar ist.

29.Januar 1863: "Die Genehmigung zur Abhaltung von Carnevalsbelustigungen durch den Frohsinn-Verein in Edenkoben betreffend" beginnt: "Der rubricirte (d.h. eingetragener) Verein beabsichtigt mit höherer Genehmigung": Am 1.Februar ein Kappengang mit Musik und trommeln von Edenkoben über Venningen, Kirrweiler und wieder zurück, am 8.Februar gleichen Gang über Rhodt, Edesheim und wieder zurück und am 15. Februar einen Kappen resp. Mascenzug mit Musik und Trommel in hiesiger Stadt. Als Vorstand unterschrieben: P. Aug. Kerth, Nik. Wilhelmi (der 1875 wieder als 1.Präsident erscheint) und Heinrich Niederhöfer. Diese Kappengänge damals alle zu Fuß und sicherlich mit einer Kutsche.

 

Von den Jahren 1862/63 bis 1875 konnten im Archiv leider keine weiteren Aufzeichnungen über die Aktivitäten des "Vereins der Frohsinnigen" bzw. "Frohsinn-Vereins" gefunden werden. Vielleicht ließen die Aktivitäten des Vereins in dieser Zeit etwas nach (Deutsch-Französischer Krieg 1870/71) und wurden erst wieder verstärkt, so dass sich das Jahr 1875 als Vereinsgründungsjahr eingebürgert hat. Vom Jahre 1875 liegt auch die Originalsatzung des Vereins vor.

Dass dieser Verein wahrscheinlich schon vor 1862 sich konstituiert hatte und angemeldet wurde, hängt sicherlich mit der Hofhaltung des Bayernkönigs Ludwig I. zusammen. Er weilte im Jahre 1862 schon zum 6. Male seit 1852 auf seinem Sommerschloss Villa Ludwigshöhe. Diese Tatsache hatte nämlich Edenkoben, der neuen Sommerresidenz, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich einen großen Auftrieb gegeben.

 

Ergänzung

Die Vermutung unseres Ehrenpräsidenten Dr.Urschbach, dass schon vor 1862 in Edenkoben der Karneval bzw. die Fasnacht vereinsmäßig organisiert war, hat sich bestätigt. Bei Recherchen zu unserem diesjährigen, 125-jährigen Jubiläum sind wir auf einen Bericht aus der "Neustadter Zeitung" von 1858 gestoßen, wo der damalige Redakteur Kranzbühler schreibt: "In den pfälzischen Städten hätten sich nach 1841 allenthalben carnevalistische Gesellschaften und Vereine etabliert, um dem Gotte Jokus zu huldigen. Nach dem bewährten Mainzer Vorbild seien auch "Ranzengarden" gebildet worden, die das äußere Bild der Straßen schon lange vor den eigentlichen Fasnachtstagen beherrschten. Mit allerlei Schabernack sein sie durch die Lande gezogen. Die Neustadter Ranzengarde ist "plündernd" in die gefüllten Weinkeller der Weingutsbesitzer in Mußbach, Gimmeldingen oder Haardt eingefallen, deren Besitzer dies wohlwollend duldeten. Wer vermochte sich schon diesem munteren, frisch-fröhlichen, närrischen Kriegsgeschehnen fernzuhalten? Drauf zogen die siegreichen Garden gen Süden. Über Hambach, Diedesfeld und Maikammer rückten sie auf Edenkoben vor, wurden allhier jedoch blutig abgewiesen. Der tapferen Edenkobener Garde gelang es, die Neutadter völlig aufzureiben und das ganze Heer gefangen zu setzen. Und so schmachteten denn die Helden in den tiefen Gewölben der Edenkobener Winzer, wobei es allerdings zu recht feucht-fröhlichen Verbrüderungsszenen zwischen den Gefangenen und deren Wärtern gekommen sein soll; mit dem Erfolg, dass die völlig demoralisierten und total verlumpten Neustadter nächtlicherweile in kleinen oder größeren Trupps schwankend nach Hause schlichen. Dort nahmen sich ihrer denn auch liebevoll die barmherzigen Schwestern und Mütter, Bräute und Frauen der stark angeschlagenen Truppen an und pflegten sie, auf dass sie am Rosenmontag wieder voll einsatzfähig wurden." Diese Spuren über das fasnachtliche Treiben in Edenkoben vor 142 Jahren fanden wir veröffentlicht in der Heimatzeitung "Die Pfalz am Rhein", 31.Jahrgang, Heft 1-2, Jan.-Febr. 1958, herausgegeben von Druckerei und Verlag Daniel Meininger, Neustadt/Weinstraße, wo über den "Carneval vor hundert Jahren in Neustadt an der Haardt (1858-1958)" berichtet wurde.

1875 bis 1919

 

In Edenkoben vermisste man in der Winterszeit die festlichen Empfänge, die in der schönen Jahreszeit auf der Villa Ludwigshöhe und im "Schafsaal", dem bis 1870 größten Festsaal der Vorderpfalz, stattfanden. Eine Weinstadt mit drei für damalige Zeit großen "Sälen", "Hotel Schaf" (seit 1840), Hotel "Tivoli" und "Cafè Ludwig" (früher "Zum Löwen") war ein guter Nährboden für närrisches Treiben und Festlichkeiten auch im Winter. So führte der Karnevalverein Frohsinn bis zum 1.Weltkrieg neben den anderen Vereinen immer drei närrische Veranstaltungen je Saison durch, und zwar ein "Damenkränzchen" im "Löwen", einen Maskenball im "Schafsaal" mit originellen Masken und Kostümen und ein "Schlußkränzchen" am Rosenmontag im "Tivoli". Die Damenkränzchen waren meistens gespickt mit Musikvorträgen und "komischen Vorträgen" und anschließendem Tanz. In den Protokollbüchern ist zwar oft vom "Prinzen Carneval" die Rede, dem gehuldigt wurde, ohne dass Namen genannt werden. Meistens war der 2.Vorsitzende zugleich der Prinz. Namentlich genannt und besonders herausgehoben wurden mehrmals die Prinzen Ludwig Kohlborn (1893) und Friedrich Boeckler (1913), die oft mehrere Jahre als Prinz das närrische Zepter schwangen. Flankiert wurden sie von einer "Ranzengarde", die an die Bürgerwehren erinnerte.

Angeheizt wurde die Stimmung bei den Veranstaltungen meist von den Musik Kapellen Kiefer oder Hundemer aus St. Martin, oder von den Regimentskapellen der 18 er u. 23 er aus Landau, vor allem unter den Klängen des Narrenmarsches, dem Edenkobener Narrenmarsch, der von den St. Martiner Kapellmeister Hundemer für den Karnevalverein Edenkoben komponiert und bald auch im neuen Saalbau von dieser Kapelle und in vielen anderen Städten in der Pfalz gespielt wurde. 1929 hat Theodor Mietens einen Liedtext dazu verfasst.

 

Die früheren Präsidenten und Mitglieder des närrischen Präsidiums, waren Fabrikanten, Edenkobener Geschäftsleute und Wirte. Große Maskenumzüge fanden in den Jahren 1901 und 1911 statt, die große Resonanz fanden und dem Verein immer wieder Auftrieb gaben. Kaum hatte Friedrich Boeckler zum 2. mal als Prinz, im neuen Festsaal von Michael Engel im „Ratskeller“ (später Turnhalle hinter der Sparkasse) geglänzt, da brach der erste Weltkrieg aus und er musste unter die Waffen.

 

Zwischen den beiden Weltkriegen

Die Zeit nach dem verloren gegangenen Weltkrieg war so gedrückt, und die Not so groß (franz. Besatzungszeit.), dass man bei der ersten Mitgliederversammlung am 27.12.1919 sogar den Namen des Vereins änderte, damit ja nicht das Wort „Karneval“ darin erwähnt wird, in „Frohsinn- Verein Edenkoben. Die ersten Veranstaltungen des Vereins in den Jahren 1920,1921 und 1922 waren deshalb auch „Bunter Abend“ oder „Weinabend“ genannt, wozu man Hofschauspieler und Humoristen aus Mannheim und den Bellemer Heiner engagierte. Erstmals wird die Kapelle Schweickart (Orchesterverein) erwähnt. Trotz der schlechten Zeiten erfolgten sehr viele Neuaufnahmen in den Verein, so dass er 1920 schon wieder 190 Mitglieder zählt und 1922 ein Aufnahmestopp beschlossen wird. Unter den neuen Mitgliedern befinden sich auch Otto Wilhelmi 1920, Reinhard Seitz, Heinrich Heilmann und Willy Seiter 1922. Der Anzug des Elferrates ist schwarze Hose, Gehrock, weiße Weste und weiße Binde mit Schärpe, Mütze und der dazu gehörende Vereinsorden mit Kette. Das Jahr 1923 ist wirtschaftlich und politisch so turbulent durch den „Passiven Widerstand“, Separatistenterror und Inflation, dass alle Veranstaltungen abgesagt werden. Nach dieser Zwangspause nahm der Verein 1924 mit völlig leerer Kasse seine Tätigkeit wieder auf. Der Junglehrer Schorsch Litzel wird in den Ausschuss gewählt und übernimmt für die Veranstaltungen im Jahre 1925 die Regie, während der Tanzlehrer Christian Daüwel (Großvater des früheren Präsidenten) die Bälle arrangiert. Die Zeiten sind wirtschaftlich so drückend, dass 1926 wieder kein Karnevalsveranstaltungen statt finden, währen sich der Verein beim Sommertagsumzug des Verkehrsverein mit 2 Wagen und Gruppen beteiligt.

 

Im Jahre 1927 sticht das Edenkobener Narrenschiff unter den neuen Vorsitzenden Metzgermeister Fritz Matthias, dem 2 Vorsitzenden Schorsch Litzel, dem Materialverwalter Otto Wilhelmi und dem Kassenwart Emil Burckard neu in See. Dabei lässt der Regisseur Schorsch Litzel in seiner Revue den „Zuban-Kosaken-Chor“ (die erste weibliche Prinzengarde des Vereins) aufmarschieren und begeisterte auch im Jahre 1928 in einem „Bunten Abend“ das Publikum. Durch die Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 und die ständig steigende Arbeitslosigkeit, kann der Vereinsdiener kaum den Jahresbeitrag in Höhe von DM 2.-- in zwei Raten auftreiben, so dass 1930 32 Mitglieder austreten und nur zwei Veranstaltungen durch geführt werden können.1931 und 1932 fallen erneut alle Veranstaltungen wegen der großen Notzeit aus. 1933 versetzt Schorsch Litzel das närrische Volk von Edenkoben in schöne Zukunftsträume und stellt Edenkoben als weltberühmten Kurort vor, inszeniert die Einweihung eines des neuen Kurhauses mit der Kurgarde, die Großteils aus den ehemaligen Schülerinnen der Höheren Töchterschule sich rekrutierte. Großartige Bühnenbilder und Saaldekorationen von den Malern und Elferräten Otto Wilhelmi und Rudolf Gries, gaben stimmungsvolle Kulissen zu Schorsch Litzels bunten Spielen.

 

In der Mitgliederversammlung vom 31.12.1933 wurde der erste Vorsitzende Fritz Matthias von der Versammlung wieder gewählt. Dieser bestimmt wiederum seine Vorstandsmitglieder. Nach dem „Führerprinzip“ soll nunmehr der Vereinsführer den Elferrat bestimmen. Man führte 1934 –1935 je einen „Weinabend“ und einen Ball durch und holte dazu das Mannheimer Ballett. Bei der Jahreshauptversammlung am 04.01.1937 legte die gesamte Vorstandschaft ihre Ämter nieder. Eine Wiederwahl bzw. eine Neuwahl, konnte nicht erfolgen, weil sich niemand zu Verfügung stellte. Dieser Text spricht seine eigene Sprache und jeder Leser kann sich seinen eigenen Reim auf die Gründe der Amtsniederlegung machen. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

 

Die Nachkriegsfasnacht

Erst 1949 traten die jüngeren Vorkriegsmitglieder des KV „Frohsinn“ wieder zusammen. Mit anderen an einem geselligen Zusammenschluss interessierten, an den Vorkriegspräsidenten Fritz Matthias und den altbewährten Ex- Kassierer Emil Burckhard mit dem Gedanken an eine Wiederbelebung des traditionsreichen Karneval-Vereins „Frohsinn“ heran. Ein Aufruf in der Presse fiel auf fruchtbaren Boden, so dass am 16.12 1949 eine Versammlung statt fand, bei der bereits 39 Herren neben 13 Altmitgliedern in den Verein aufgenommen werden konnten. Zugleich wird folgender Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender August Glesius (Präsident), 2. Vorsitzender Reinhard Seitz (Vizepräsident), Schriftführer Kurt Nägele, Rechner Emil Flach und Materialverwalter Otto Wilhelmi. Zugleich konstituierte sich der Elferrat. Es folgten um die Jahreswende 1949/ 1950 mehrere Elferratssitzungen, die gut Arbeit leisteten, eine neue Satzung aufstellten, die Veranstaltungen für die Saison 1949/50 vorbereiteten und auch die Vorkehrungen für die Bildung einer neuen weiblichen Prinzengarde trafen.Die vielen Ausschusssitzungen Schlag auf Schlag und die große Beteiligungen an den Sitzungen zeigten, welcher Tatendrang und Lebenshunger sich in den vielen Jahren der Entbehrungen angestaut hatten. Die von der Haute-Kommission Allienne Alemagne genehmigten „Kappensitzungen“ die bereits großartige „Prunksitzungen“ mit einer schneidigen Prinzengarde unter dem Prinzen Erwin I. (Link) waren, und die Bälle wirkten in Edenkoben wie ein Paukenschlag. Der Kindermaskenzug durch die Stadt, mit dem Motto „Lederstrumpf hält seinen Einzug in Edenkoben“ fand auch über die Grenzen der Stadt hinaus ein gutes Echo. Von dem Erfolg der ersten durchgeführten närrischen Kampagne angespornt, beschloss man das Festspiel „Der Jäger aus Kurpfalz“ von dem Heimatdichter Leopold Reitz vor dem völlig leeren und ausgeplünderten Schloss Ludwigshöhe aufzuführen. Große Vorbereitungen waren dazu erforderlich und um das finanzielle Risiko abzusichern, übernahmen alle Elferräte eine Bürgschaft, für den Fall eines Fehlschlages. Das Festspiel, zu dem ca. 8000 Besucher darunter 14 Mitglieder des Europarates und der damalige Bundesfinanzminister Fritz Schäffer „Juliusturm“ und andere hohe Persönlichkeiten erschienen waren, wurde ein Riesenerfolg.

 

Eine erste Nachkriegsweinprobe im Marstall (heute Sportschule) von Präsident August Glesius zelebriert und die erste Sternfahrt der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalsvereinigungen e.V. nach Edenkoben. Nach diesem Tage machte Edenkoben weit über die Grenzen der Pfalz hinaus wieder bekannt. Der Name des gerade 75 Jahre alten Karnevalvereins „Frohsinn“ war in aller Munde und war wieder DER gesellige Verein der „weinfrohen Stadt Edenkoben“.

 

Der Kontakt zu der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine war so eng, dass auch im Jahre 1976 die “Gemeinschaft der Träger des Goldenen Löwen „gegründet wurde. Schon in den ersten Jahren der Nachkriegsaktivitäten machte ein „Jungelferrat“ Furore. Er stand unter der Leitung von Wolfgang Messerschmidt, der sich zusammen mit seinem Bruder Günther als Büttenredner einen Namen machte. Leider löste sich diese Truppe wegen Wegzug zum Studium, oder aus beruflichen Gründen wieder auf. Unsere erste Nachkriegs-Prinzengarde mit dem größten und strammsten Gardeleutnant im ganzen südwestdeutschen Raum, Fräulein Hedel Weisenburger, gefiel überall bei ihren Auftritten. Als später die Garde mit ihrem „Pferdchentanz“ auftrat, wurde sie von vielen befreundeten Vereinen engagiert.

 

Noch ehe der russische Sputnik um die Erde kreiste, fand schon bei der Prunksitzung des „Frohsinn“ der Start zur Venus statt. Auch der Kindermaskenumzug im Jahre 1952 zog sich wie ein Riesenlindwurm durch die langen Edenkobener Straßen und Tausende Indianer, Cowboys, Pfadfinder, Squaws und Märchenprinzessinnen scharten sich um ihren Edenkobener „Lederstrumpf“.

 

Einen Höhepunkt hatte der Verein auch im Jahre 1959 zu verzeichnen, mit der Gemeinschafts-Prunksitzung mit dem befreundeten LCV Landau in der „Südwesthalle des SWFV, wo mehr als 1500 Närrinnen und Narren auf der Ludwigshöhe sich begeistern ließen.... Mit dem Jahrhundert- Weinjahrgang 1959 leitete Präsident August Glesius ein in Karnevalskreisen einmalige Tradition ein. Der Elferrat traf sich zu einer närrischen Elferrats-Weinlese im Weingut Glesius, um eine Auslese mit 111° Oechsle zu ernten, die diese Leute auch öfters im Keller als Elferrats-Wein probieren durften. Sein Sohn und Elferrat Hermann setzte diese Tradition lange Jahre fort. August Glesius, Ehrenpräsident verstarb plötzlich allzu früh.

 

Dr. Ludwig Urschbach neuer Präsident

 

Im Jahr 1963 übernahm Dr. Ludwig Urschbach die Führung des Vereins. Zu jener Zeit ist es auch den Nachforschungen und Bemühungen Dr. Ludwig Urschbachs, der seit 1950 auch Hauptamtlicher Chronist des Vereins ist, gelungen, dass der „Edenkobener-Narrenmarsch“ bei allen Karnevalsveranstaltungen im badisch-pfälzischen Raum, (statt des Mainzer Narrenmarsches) gespielt wird.

 

Ehrenpräsident August Glesius hat schon 1 Jahr vor seinem Tode Ludwig Vondersand zum Sitzungspräsidenten ernannt, der inzwischen 33 mal mit großem Geschick, Einfühlungsvermögen und Charme in den Prunksitzungen das Publikum begeisterte. Lange Jahre hat Ludwig Vondersand das Programm der Prunksitzungen durch Auftritte von Stars von Funk und Fernsehen bereichert und damit das Edenkobener Publikum stark verwöhnt. Die 3 Prunk und Fremdensitzungen waren immer im Voraus ausverkauft. Nach dem Krieg fanden alle Bälle im Cafe` Ludwig bis zu seinem Abriss im Jahre 1971 statt und alle Prunksitzungen erfolgten im Tivoli-Saal wo ab 1971 auch die Bälle abgehalten wurden. Nachdem die Bühne vor allem für die Prinzengarde und für die Besucher befreundeter Gast-Vereine nicht mehr ausreichte, wurden alle närrischen Veranstaltungen 1980 in den Kurpfalzsaal verlegt. Für den Bühnenaufbau und Bühnengestaltung gab es viel großzügigere Möglichkeiten als früher. Die Prinzengarden begeisterten das Publikum und die Auftritte der Elferratsfrauen „Die Weschbachstelzen“ mit ihren originellen Maskeraten, je nach dem Motto der Session, waren weit über ein Jahrzehnt vom Programm nicht mehr wegzudenken. Dazu kam eine ganze Reihe von Büttenkanonen wie: De Hannes (Horst Däuwel) unn de Schorsch( Walter Moll), Günter Platz, Werner Vogt, „De Gerschde Schnuddel „ (Kurt Gerst), und die „Marktfraa“ Inge Weißmann u.v.a. Sie brachten die Edekowwener Neiigkeite auf ihre ganz eigene Art, sie hatten die Lacher auf ihrer Seite und brachten den Kurpfalzsaal fast zum Bersten. Trotz dieser Glanzzeit dachte Dr. Ludwig Urschbach daran, sein Zepter in jüngere Hände zu legen.

 

Präsident Horst Däuwel (heute Ehrenpräsident)

 

Da fand sich kein geeigneterer und besserer Nachfolger als sein langjähriger „Vize“ Horst Däuwel, um dieses hohe Amt zu übernehmen, obwohl er inzwischen in Ludwigshafen wohnhaft ist. Dieser aus einer alten Fasnachterfamilie stammende, hat schon in seiner frühen Jugendzeit mit seinem Vater beim Frohsinn-Bühnenaufbau mitgeholfen Er begann als Fahnengardist, fungierte dann als Tanzmeister der Garde, Schriftführer und „Vize“ und eröffnete mit seinem Kollegen Walter Moll mit der Doppelbütt „De Hannes un de Schorsch“ Jahrzehnte lang alle Prunksitzungen. Unter seiner Leitung und mit dem Sitzungspräsidenten, Ludwig Vondersand, erlebten die Frohsinns Narren und das närrische Edenkobener Publikum noch viele schöne Jahre in der 5. Jahreszeit im schönen Kurpfalzsaal.

 

Die Leistungen der Repräsentanten und des Elferrates des KV „Frohsinn“ wurden im Laufe der Jahre von höchster Ebene anerkannt und drücken sich in folgenden Auszeichnungen aus:

 

Den Verdienstorden des Bundes deutscher Karneval (BDK), die höchste karnevalistische Auszeichnung erhielten:

 

In Silber: Werner Lentz , Schatzmeister (1986) In Gold: Dr. Ludwig Urschbach 1978, Ludwig Vondersand 1983, und Horst Däuwel 1985. Ebenso kann der KV “Frohsinn“ stolz darauf sein, dass nicht weniger als 19 Aktivisten für 22 jährigen aktiven Einsatz bzw. als VorstandsmitgliedTräger des goldenen Löwen sind, der höchsten Auszeichnung die die Vereinigung badisch- pfälzischen Vereinigung e.V. zu vergeben hat.

Wie aus heiterem Himmel schlug 1989 die Nachricht wie eine Bombe ein: Der Decke des Kurpfalzsaales drohe der Einsturz. Der „Frohsinn“ konnte den Saal nicht mehr benutzen. Kaum hatte der Bauhof den Schaden mit der Decke behoben, da durfte man für die Session 1990 wieder die altgewohnten Veranstaltungen durchführen. Man konnte sich für die närrisch Session 1991 vorbereiten, da brach der Golfkrieg aus und alle karnevalistischen Veranstaltungen wurden untersagt. Als letzte Veranstaltung des KV „Frohsinn“ im Kurpfalzsaal, wurde zusammen mit der Edenkobener Feuerwehr ein sehr gut besuchter und gelungener Kostümball abgehalten, ehe der Kurpfalzsaal voraussichtlich bis zum Frühjahr 1998 für die Planung, Umbau und Renovierung des Saales geschlossen wurde.

 

Sonstige Aktivitäten des KV „Frohsinn“ Trotzdem hielten die Mitglieder bis jetzt dem Verein die Treue. Sie wissen: Der Frohsinn der Nachkriegszeit war schon immer auch für das Wohl der Stadt auch außerhalb der närrischen Zeit im Einsatz. So haben Frohsinns- Narren nicht nur bei eigenen Jubiläen (1975 100 Jahre und 1986 111 Jahre „Frohsinn“) großartige Fasnachtsumzüge durchgeführt, sondern auch federführend bei der Planung und Durchführung von Närrischen Umzügen, wenn die Stadt besonderen Grund zum feiern hatte (1969 : 1200 Jahre und 1993 : 175 Jahre Stadtrechte Edenkoben). Sie verstanden es dabei, nicht nur Edenkobener Vereine zu gemeinsamen Aktivitäten für die Stadt zu begeistern, sondern auch die Vereine der Verbandsgemeinde und die Nachbarstädte zur Teilnahme an Edenkobener Umzügen zu bewegen.

Was wären die Neujahrsempfänge der Stadt, wenn nicht der „Frohsinn „ mit seinen Garden und originellen Einfällen, Pfiff und Schwung in dieses Zeremoniell herein brächte. Beim Weinfest der südlichen Weinstraße ist der „Frohsinn“ mit seinem Wein und Käääsestand schon immer dabei, ebenso beim Umzug bei der Owwergässer Winzerkerwe.

 

Wie tragen die Edenkobener Narren den Namen Edenkoben und seine Weine hinaus in die Städte Saarbrücken, Bexbach, Weinheim und andere, bei ihren Auftritten, bei den dortigen befreundeten Karnevalsvereinen! Nachdem schon immer einige Elferräte zugleich auch Stadträte waren und sind, sind sie immer bemüht, die belange der Stadt zu vertreten, z.B. die Pflege und Unterhaltung des Wasserrades an der historischen Siegfriedschmiede, obwohl dieses idyllische Zierstück unter der Obhut des Heimatbundes steht.

 

So halten sich die Edenkobener Narren auch unter dem Jahr fit und sind zuversichtlich, dass der traditionsreiche KV „Frohsinn“ in absehbarer Zeit mit Pauken und Trompeten an die alte Tradition anknüpfen wird. Sie tragen die Gewissheit ins Land, dass der Karnevalverein „Frohsinn“ auch weitere

11x11 Jahre überleben wird.

 

Dr. Ludwig Urschbach Ehrenpräsident